Selbsthilfegruppen und Mobbing


Die Zahl der Selbsthilfegruppen allein in Deutschland wird auf 100 000 geschätzt. Etwa 3% der erwachsenen Bevölkerung dürften aktuell Mitglied einer solchen Gruppe sein. Natürlich kommt es auch hier zu Konflikten, zu Rivalitäten und Hahnenkämpfen. Auch zu Mobbing.
Im allgemeinen aber nicht mit jener existenziellen Wucht wie etwa im beruflichen oder schulischen Rahmen.

Auch deswegen bilden Selbsthilfegruppen auf der ‚Mobbing-Landkarte‘ gewissermaßen einen weißen Fleck. Über dieses besondere Phänomen ist wenig bekannt. Ähnliches gilt auch für Mobbing in der Kirche oder Mobbing im Dorf bzw. der Nachbarschaft.
Bitter ist jedenfalls, wenn auch Freundschaften zerstört werden, wenn das soziale Ansehen geschädigt wird, wenn Vertrauen verloren geht.
Wo sonst Mobbing oft nur behauptet bzw. beklagt wird, soll diese Website die Mechanismen und den Verlauf eines fast schon modellhaften Mobbing-Geschehens detailliert dokumentieren.
Das Vorgehen eines Mobbers sowie das Verhalten von Mitläufern und Zuschauern bzw. Wegschauern wird an einem konkreten Fall dargestellt: u.a. mit einem Tagebuch und einer Auflistung typischer Mobbinghandlungen  (LIPT).
Es geht um Worte, die verletzten, die verletzen sollten – sie liegen schriftlich vor.
Nebenbei entfaltet sich so auch ein Psychogramm der Scheinheiligkeit, einer spezifischen Bigotterie.
Eine Diskussion zu diesem Fall findet auch auf der Website von Emotions Anonymous (Deutschland) statt. Die betroffene und informierte Gruppe bleibt jedoch stumm. Auf sachlicher Ebene fehlen die Argumente, vollständig.

Weiterlesen

Advertisements

Aussageverweigerungsrecht oder „Outing“

Auf dem EA-Blog wird von einer Leserin erneut darüber spekuliert, ob es nicht doch eine andere Version der (Mobbing-) Geschichte gibt, die ja „minutiös aufgelistet und protokolliert“ sei und „eklatante Verstöße gegen elementare EA-Regeln“ offenbare.
Es klingt ein wenig so, als würde in einem wegen Vergewaltigung geführten Prozess erhofft werden, dass der Beschuldigte die Vorwürfe doch endlich entkräftet.
Doch der Beschuldigte schweigt beharrlich.
Und tatsächlich gibt es im deutschen Strafrecht das Aussageverweigerungsrecht:

Es „ist das Recht eines Beschuldigten, in Strafverfahren sowie bei Ordnungswidrigkeiten, keine Angaben zu dem zur Last gelegten Sachverhalt machen zu müssen… Der Verzicht auf das Recht der Aussageverweigerung ist in der Praxis so gut wie nie zum Vorteil des Beschuldigten.“

Letzteres gilt auch für das Mobbing in einer Selbsthilfegruppe, das freilich kein strafbares Delikt ist.

Der des Mobbings Beschuldigte hat sich nur zweimal schriftlich geäußert. Ihm könnte bewusst sein, wie sehr er sich da schon „verplappert“ hat, mit ungewolltem „Outing“ .

Weiterlesen

Emotionale Misshandlung – Ohrfeigen für die Seele

Emotionale Misshandlungen wirken auf Heranwachsende ähnlich verheerend wie Gewalt oder Vernachlässigung…
„Obwohl die meisten Leute annehmen, dass körperliche Misshandlungen schädlicher sind als andere Formen von Misshandlung, haben wir gefunden, dass sie alle ähnliche Folgen haben.“
Ein Team um Marije Stoltenborgh von der Universität Leiden hat in einer viel beachteten Metaanalyse aus dem Jahr 2012 abgeschätzt, dass angeblich 36,3 Prozent aller Kinder auf der Welt emotionale Misshandlung erfahren haben…

Die Ergebnisse verdeutlichten, dass insbesondere seelische Gewalt in Gesellschaft und auch vor Gericht noch nicht ausreichend wahrgenommen wird…

Quelle: Emotionale Misshandlung – Ohrfeigen für die Seele – Gesundheit – Süddeutsche.de

Missbrauch in Pennsylvania: Und Gott war so fern …

missbrauch-gott.jpg

>Die Priester reichten sich die Opfer, die sie jeweils ausgesucht und „gefügig“ gemacht hatten, untereinander weiter: Erkennungsmerkmal Kruzifix an Goldkette. Tatorte: Pfarrhäuser, Sakristeien, Priesterwohnungen. Der pädokriminelle Ring verübte seine Verbrechen während sechs Jahren, von Mitte der achtziger bis Anfang der neunziger Jahre. Die Priester Wolk und Zula flogen nach Anzeigen von Eltern schließlich auf, wurden in Verfahren vor staatlichen Gerichten zu Gefängnisstrafen verurteilt. Die Anklage gegen Pucci wurde gegen Zahlung einer Entschädigung fallengelassen, die Untaten waren zum Zeitpunkt des Verfahrens gegen ihn schon verjährt.
Und Zirwas, 1979 ordiniert und bis 1995 in acht verschiedenen Gemeinden in der Diözese Pittsburgh tätig? Er wurde auf eigenen Wunsch im Juli 1995 nach Miami versetzt, weil nach seiner Aussage über ihn „falsche Gerüchte verbreitet“ würden. Mehrfach waren in den Jahren zuvor Missbrauchsfälle bei der Diözese Pittsburgh angezeigt worden. In einem Schreiben an den damaligen Erzbischof von Pittsburgh, Donald Wuerl, drohte Zirwas, er werde über die Untaten anderer Priester in der Diözese „auspacken“. Nachdem er seine Beschuldigungen in einem Schreiben an Wuerl widerrufen hatte, erhöhte der Bischof die Gehaltszahlungen an Zirwas. Und versetzte den Priester nach Florida.<

Quelle: FAZ: Missbrauch in Pennsylvania: Erkennungsmerkmal Kruzifix

Kommentar: „Hier wurde klar gegen EA-Regeln verstoßen“

So äußerte sich gestern auf dem EA-Blog ein mit den Reglements vertrautes Mitglied zum Thema „Atheismus und Pluralität in EA “ :

Hier wurde klar gegen EA-Regeln verstoßen.
In EA-Meetings sollen sich auch Menschen ohne Glauben an Gott im traditionellen Sinn willkommen und sicher fühlen können.
Unterbrechung von Meetingsbeiträgen, nur weil sie nicht der eigenen Meinung entsprechen, geht gar nicht.
Die 8. und 9. hilfreichen EA-Gedanken besagen:
EA ist ein spirituelles kein religiöses Programm. Wir befürworten keine bestimmte Glaubensvorstellung.“
Die Schritte empfehlen einen Glauben an eine Macht größer als wir selbst. Gott wie wir ihn verstehen. Das kann menschliche Liebe sein, eine Kraft zum Guten, die Gruppe, die Natur, das Universum, Gott oder alles was sich jemand als persönliche Höhere Macht wählt.“
Den Glauben an die Gruppe kann man in so einem Fall schon verlieren, das kann ich gut nachvollziehen.

Das war meine Antwort:

Hallo ..
Du machst Dir vermutlich keine Vorstellung davon, was mir Deine klare Aussage bedeutet. Es nimmt mir das Gefühl, „ausgestoßen“ zu sein. Aus einer Gemeinschaft, die mir seit Jahrzehnten viel bedeutet…
Vieles, sehr vieles wäre nie geschehen, hätte in dieser Gruppe auch nur eine Person den Mut aufgebracht, das zu sagen, was Du geschrieben hast – auf die Gefahr hin, es sich so mit einem „Meinungsführer“ zu verderben. Ohnehin wussten dort nur wenige, wer was tatsächlich gesagt oder geschrieben hatte.

Reaktionen auf Mobbingvorwürfe: Ignoranz oder Drohungen mit „Konsequenzen“

Mobbing in einer spirituell orientierten „Zwölf-Schritte-Gruppe“ unterscheidet sich wesentlich von Mobbing am Arbeitsplatz, viel eher ähnelt es Mobbing in der Kirche.
Da wie dort wird das Selbstverständnis der Institution bzw. der Gruppe fundamental erschüttert. Mehr noch als sonst wird die erste Reaktion auf den Mobbingvorwurf sein:
„Bei uns gibt es das nicht!“, „Bei uns kann es das nicht geben!“
Gibt es das aber doch, erscheint alles Reden über Gott, über Demut, über die Brüder, über die Schwestern, über die Freunde  … nicht mehr heilig, sondern scheinheilig.
Das sonst sorgsam gepflegte „Image“ der Person oder der Institution wird gewissermaßen im Mark getroffen.
Wie also soll eine Institution oder eine Gruppe mit einem so brisanten Vorwurf umgehen?
Auch dazu äußert sich Sabine Sunnus in dem hier schon oft erwähnten und zitierten Interview mit dem Magazin alsfeld-evangelisch.de:

Frau Sunnus, Sie gehören zum Vorstand des Vereins „D.A.V.I.D. gegen Mobbing in der evangelischen Kirche“. Da bekommen Sie doch sicherlich alle erdenkliche Unterstützung von Kirchenleitungen, damit Ihre Arbeit möglichst bald überflüssig wird?
Sunnus: Na dann wären wir am Ziel unserer Träume. Nein, am Anfang hat man uns noch interessiert beäugt, allerdings auch explizit vor uns gewarnt, in Pfarrkonventen zum Beispiel nach dem Motto: Wer sich auf D.A.V.I.D. einlässt, muss mit Konsequenzen rechnen. Da das  in unseren Fällen nichts nutzte, hat man sich, ich kann sagen: flächendeckend, zur Ignoranz entschieden. Anfragen von uns werden nicht beantwortet, manch ein Kirchenleitender behauptet, von uns noch nie gehört zu haben, obwohl Briefe per Einschreiben „zur Hand“ an ihn gegangen sind. Und dann spricht z. B. der Richter in einer Gerichtsverhandlung vor seinem Kirchlichen Verwaltungsgericht unsere Vermittlungsbemühungen an. Sie werden also wahrgenommen, aber das Phänomen Mobbing wird geleugnet
Das ist oft die bitterste Erkenntnis für alle Betroffenen. Der Clou besteht darin, dass alle Vorgesetzten aller Etagen sich hier einig zu sein scheinen: Mobbing gibt es, aber nicht bei uns. Und alle, die etwas anderes behaupten, sind uns feindlich gesinnt
[Hervorhebungen von uns]

In dem auf diesen Seiten dokumentierten Fall gibt es einen markanten Unterschied zwischen der Gruppe und der EA-Gemeinschaft, zu der diese Gruppe zählt:

Mobbing: Trauma und Therapie

Ein interessanter Text zum Thema, allerdings schon etwas älter, erschienen im Deutschen Ärzteblatt. Dr. Argeo Bämayr kritisiert die „Opferbeschuldigung“ , zu der auch viele seiner eigenen Kollegen neigten:

Begreift der Therapeut die Mobbingfolgen nicht als Trauma, so reagiert der Helfer psychologisch normal mit Resignation, Abwehr oder gar (unterschwelliger) Aggression und projiziert sein „Versagen“ in das Mobbingopfer, dem er ein subjektiv zu verantwortendes krankhaftes Versagen gegenüber den Mobbern unterstellt oder dem er indirekt sogar vorwirft, das Mobbing selbst provoziert zu haben.
Diese Opferbeschuldigung erschüttert ein weiteres Mal das Selbst- und Weltverständnis des Mobbingopfers …
Selbst Psychotherapeuten, sofern sie nicht in der Psychotraumatologie erfahren sind, neigen zur indirekten Opferbeschuldigung, indem sie ihr Neurosen-Know-how Psychotraumatisierten überstülpen und in der Entwicklungsanamnese nach Ursachen beim Patienten für das Mobbing suchen oder der Frage nachgehen, warum der Patient das Mobbing nicht verhindern kann…

Quelle: aerzteblatt.de

Woran erkennt man den Unterschied von „alltäglichem Konflikt“ und „ Mobbing“?

Die Antwort, die Sabine Sunnus dem Magazin „Alsfeld-evangelisch.de gibt, lohnt wieder das Zitat:

Es sind die Umgangsformen, die sich hier drastisch verändern. Zunächst wird getuschelt, werden Gerüchte über die zu vertreibende Person in Umlauf gebracht. Die dienen dazu, das Terrain für Mitmacher zu sondieren. Meist sind es selbst wenig starke Personen, die anfällig sind für „Anführer“ und ungefragt deren Behauptungen übernehmen und verbreiten.
Jetzt bekommt die betreibende Person, oder die kleine Gruppe, genug Wasser untern Kiel, um mit Verleumdungen, Lügen, falschen Behauptungen die Person zu isolieren. Zumindest ist das das Ziel.
Diese wird von Informationen abgeschnitten, ihr werden Fehler unterstellt, auch provoziert, die ihr dann, unsicher geworden, vielleicht tatsächlich unterlaufen. Und nennen Sie mir jemanden, der in einer bedrängten Situation keine Fehler macht. Der Mechanismus zur Einengung der Person hat begonnen. Setzt er sich ungebremst fort, wird die betroffene Person zur Unperson und muss in den Augen der Vorgesetzten oder Leitung von ihrem Arbeitsplatz entfernt werden. Das Mobbing hat gesiegt. (Download des Interviews als PDF)

Auch in dem hier dokumentierten Fall waren es erkennbar die Umgangsformen, die sich „drastisch“ veränderten: Wie kann es sein, dass ausgerechnet ein „Freund“ aus einem  A-Meeting einem anderen wenige Stunden vor dem Jahreswechsel eine bitterböse Mail sendet: Gespickt mit Injurien (dumm, unverschämt, naiv, widerlich), gespickt mit Unterstellungen, Beschimpfungen und Abwertungen?

Für den Adressaten war dies ein Novum, ein Schock. Mehr als drei Jahrzehnte kannte und besuchte er 12-Schritte-Gruppen. Einen solchen Ton hatte er bis dahin nie erlebt. Unvorstellbar, dass ausgerechnet ein A-Freund, einer, der in/mit den „Schritten“ arbeitet, einen solchen Ton anschlagen würde. Ein Ton, der sich in der Folge noch verschärfen sollte: bis hin zum Befehlston.  Die reflektierten Aussagen des anderen wurden zu bloßem Müll erklärt.
Ohne sich bis dahin mit dem Unterschied zwischen Konflikt und Mobbing tiefer befasst zu haben, war nach dem Lesen dieses verbalen „Silvesterknallers“ offenkundig, dass Mobbing einsetzen würde. Durch Stimmungsmache in der Gruppe, in Meetings. In Abwesenheit des nun mehr und mehr Ausgegrenzten.

Dann geht man zu den Leitenden, weint ihnen was vor …

… über die Untragbarkeit „dieser Person“.

Dies ist ein Zitat aus einem überaus lesenswerten Interview mit der (Kirchen-) Mobbingexpertin Sabine Sunnus.
Das Interview kann man in voller Länge im Online-Magazin des Dekanats-Alsfeld lesen.

Über den „Kern jedes Mobbings“ sagt Sunnus:

Das ist der Kern jeden Mobbings. Es kann zwar ein konkretes Geschehen der Auslöser sein, aber das braucht es nicht. Gäbe es Sachargumente, könnte man diese sachbezogen diskutieren, sich hinsetzen und die Argumente austauschen. Die gibt es aber nicht, oder denen will man sich nicht stellen: So muss eben Stimmung gemacht werden gegen die Person, und das mit den schon erwähnten Mitteln. Das gemeinsame Ziel heißt: Die Person muss weg. Das genügt. Und dann geht man zu den Leitenden, weint ihnen was vor über die Untragbarkeit „dieser Person“, erzählt alle möglichen Dinge, die nie überprüft werden. Natürlich ganz vertraulich, damit die betroffene Person nur ja nichts davon erfährt.

Dass in dem hier dokumentierten Fall auch der Blog von Emotions Anonymous die Möglichkeit bietet, Sachargumente auszutauschen, ist ungewöhnlich.

Wie werden Personen aus der betroffenen Gruppe nun auf sachliche Kritik reagieren? Sie könnten (kritische) Kommentare abgeben, sie könnten ihrerseits einen Beitrag veröffentlichen. Anonym, mit Sachargumenten.

Oder wird „hinter den Kulissen“ agiert? So, wie von Sunnus beschrieben:

Dann geht man zu den Leitenden, weint ihnen was vor über die Untragbarkeit „dieser Person“, erzählt alle möglichen Dinge, die nie überprüft werden. Natürlich ganz vertraulich, damit die betroffene Person nur ja nichts davon erfährt.

Solches Agieren hinter den Kulissen kann überaus wirkungsvoll sein, vor allem, wenn jemand souverän auf der Klaviatur der Emotionen zu spielen weiß:

Weinen, sich „erschüttert“ und „betroffen“ zeigen über „Unglaubliches„,  Einsatz sprachlicher Superlative usw. … all dies als Ersatz für klare, schriftlich vorgebrachte Sachargumente.
Wer um die suggestive Wirkung seiner „Emotionstechnik“ weiß, wird eher darauf setzen als auf sachliche Argumente.

Sunnus beschreibt im Interview einen konkreten Mobbingfall, dessen Auslöser „ungeregelte Finanzen“ waren:

Da rückt zum Beispiel eine neue Person in den Kirchenvorstand nach. Sehr schnell macht sie sich unbeliebt, weil sie nachfragt, dieses und jenes und auch z. B. ob es denn einen Belegungsplan mit Aufstellung der Einnahmen und Ausgaben für das Gemeindehaus gibt. Den gibt es nicht. Da es aber Kollisionen mit dem Flötenunterricht einer anderen Kirchenvorsteherin in den Gemeinderäumen und Nutzungsinteressen von Vereinen aus dem Ort gibt, bittet sie um die Aufstellung eines Planes.
Das bringt Unruhe: „Es ging doch alles so gut ohne Sie“, “Merken Sie denn nicht, dass Sie hier nur stören?“, „Was wollen Sie denn mit Ihrer Stänkerei“ und so weiter und so weiter, bis ihr am Ende „Falschaussagen“ und „Rufschädigung“ unterstellt werden und die Musiklehrerin damit Klage beim Gericht einreicht. Die neue Kirchenvorsteherin hatte benannt, was ihre Erkenntnis war: Die Musiklehrerin hat nie irgendeine Raummiete gezahlt.
Das ganze Aufsehen dauerte fast drei Jahre. Die neue Kirchenvorsteherin wurde mit allen Mitteln gemobbt, ihre Briefe an die vorgesetzten Stellen liefen ins Leere, der eingesetzte Mediator schaffte nicht das Naheliegendste: Ein Belegungs- und Finanzplan für das Gemeindehaus. Die sogenannte „Falschaussage“ ist bis heute nicht widerlegt…
Der Konflikt hätte überhaupt nicht entstehen müssen, wenn nicht die „Gemengelage“ einschließlich Pfarrer und Dekan und schließlich noch Mediator verfilzt gewesen wäre. Abgesehen von persönlichen Interessen, die hier ja ganz offensichtlich sind
Aber nun hatte man ja mit der „Neuen“ einen wunderbaren Sündenbock. Wozu dann ans Eingemachte gehen? Sie hat lange gekämpft, aber gerade das führte dann zur Eskalation bis hin zu einem unerträglichen Klima in den KV-Sitzungen. Die arteten regelrecht aus, da gab ein Wort das andere, bis dann schließlich der gesamte KV zurücktreten musste, um danach in der großen Mehrheit wieder eingesetzt zu werden. Nun aber ohne „die Neue“. Im Ort hat man den Kopf geschüttelt.

Bei dem auf dieser Website dokumentierten Mobbing in einer „Zwölf Schritte Gruppe“ geht es nicht um ungeregelte Finanzen.
Es geht jedoch um systematische, lang andauernde Regelverstöße einer einzigen Person:

Meetings als (kritikloses) Forum bzw. als Bühne zur Verbreitung der eigenen politischen (und sonstigen) Ansichten zu missbrauchen.

Niemand in der Gruppe hatte bis dahin gewagt, diesen offenkundigen Verstoß gegen den „sechsten EA-Gedanken“ zu benennen:

Wir diskutieren niemals über Religion, Politik, nationale oder internationale Streitfragen, andere Glaubenslehren oder Ideologien. EA nimmt niemals Stellung zu Fragen außerhalb ihrer Gemeinschaft.

Das Benennen und Kritisieren dieses systematischen Regelverstoßes könnte der eigentliche Grund für das anschließende Ausgrenzen des „Kritikers“ gewesen sein.

So können nämlich weiterhin und ganz ungestört politische und sonstige „Ansichten“ im Meeting verbreitet werden.

„Du hast in meinen Augen mit allen sachlichen Argumenten Recht. 100 % und vollkommen.“

Diese klare Aussage zu dem umfangreich dokumentierten Mobbing machte eine für zentrale EA-Dienste engagierte Leserin des EA-Blogs.
In der betroffenen Gruppe würde niemand öffentlich eine solche Aussage wagen. Das Risiko, nunmehr selbst ausgegrenzt zu werden, wäre zu groß.
Wenn Unrecht lange zurückliegt, wenn nichts mehr riskiert wird, ist es leicht, sich dagegen auszusprechen.
Wer in der NS-Zeit Juden ablehnte, war im Einklang mit dem Kollektiv und der Macht und heute ist (glücklicherweise!) im Einklang mit dem Kollektiv, wer Nazis ablehnt.
Manche, die Helden des Widerstands wie Sophie Scholl bewundern, unterliegen dem Irrtum, sie hätten das auch damals getan und mehr noch: sie wären an deren Seite gestanden. Es ist dies der Blick auf sich selbst durch die rosarote Brille.
Wer durch nacktes, durchsichtiges Glas auf sich schaut, fragt sich dagegen beklommen: Wie feige wäre ich wohl damals gewesen, wäre ich ein Mitläufer gewesen, wäre ich sogar ein Täter gewesen?
Wer also um seinen Mut zur Zivilcourage wissen will, sollte das nicht an seiner heutigen Meinung zum damaligen Unrecht bemessen. Auch nicht an den „großen“ historischen Themen, sondern besser an den kleinen, alltäglichen Themen. Wie eben Mobbing in einer Gruppe, deren Mitglied man ist.
Über die letzte Phase in einem Mobbbingverlauf, die Manifestationsphase, schreibt Fiona Baumann in ihrer Dissertation („Bei uns gibt es kein Mobbing“ ), dass sich nun „auch die ehemaligen Verteidiger und Freunde des Opfers durch den erheblichen Gruppendruck in dieser Situation gegen dieses stellen.
Dadurch können die immense Isolation des Opfers sowie der massive Gruppendruck verdeutlicht werden.
Wer dennoch dem Gruppendruck standhält, in einer Situation, wo ja nicht einmal Leben, Leib oder Freiheit gefährdet sind, darf ein ganz klein wenig über seine Zivilcourage in gefährlicheren Zeiten nachsinnen. Wer dem Gruppendruck aber nicht standhält, sollte keine Sekunde darüber nachsinnen.  Er wäre aller Voraussicht nach auch sonst ein Mitläufer gewesen.

Die Kommentatorin schreibt auf dem EA-Blog weiter:

Ich empfinde dich in deinem Rechthaben (NICHT etwa „Recht haben WOLLEN“ sondern explizit und ernst gemeint „Recht haben“) was die sachlichen Argumente angeht und in deiner verzweifelten Suche nach Gerechtigkeit und Wahrheit so übermächtig, so abgrundtief dominierend, dass ich mich dabei ertappe, wie ich über vollkommen unzureichende, falsche und jederzeit widerlegbare Worte den Versuch unternehme, nichts anderes zu sagen als „Hilfe, ich bin auch noch da“ .

Ich erinnere mich noch gut an einen Film mit Jodie Foster in der Rolle einer vergewaltigten Frau: „Angeklagt“ .
Warum verprellt sie immer wieder Menschen, die ihr nahestehen, die sie unterstützen wollen?
Doch wer sexuelle oder seelische Gewalt erfahren hat, zu letzterem zählt auch Mobbing, denkt,  empfindet und verhält sich anders.
Und er verliert vielleicht sein Gegenüber und dessen Nöte aus dem Blick. Es wäre einer von vielen Kollateralschäden eines erlittenen Missbrauchs.